Himmelpforten, 8. August 1864. Gestern fand hier das erste Turnfest des hiesigen vor einem Jahre gegründeten Turnvereins, verbunden mit Fahnenweihe, statt. Auf ergangene Einladung waren Turner der Vereine Stade, Bremervörde und Hechthausen erschienen. Gegen 10 Uhr morgens langten die auswärtigen Turner hier an und nach Empfang derselben von Seiten des hiesigen Vereins wurden ihnen die Quartiert) i l lets zugeteilt, worauf sich dieselben in ihre Quartiere verfügten. Jetzt wurde es in unserm sonst so stillen Orte lebhaft.
Um 3 Uhr fand der Festzug durch unseren Ort nach dem Turnplatze statt, auf welchem sich fast ganz Himmelpforten sowie eine Menge Zuschauer von Nah und Fern, die theils zu Wagen, theils zu Fuß angekommen waren, eingefunden hatten. Auch das schöne Geschlecht aus der Umgegend war vertreten, beehrte die Turner im Festzuge mit Bouquets. Auf dem Turnplatze angekommen, hielt der Turnwart des hiesigen Turnvereins, Wahrmann, eine auf die Feier bezügliche Rede, in welcher er gleichzeitig das anwesende Publikum zur Unterstützung der guten Sache durch Beitritt zu dem Verein als Turner oder Turnfreund anfeuerte; auch ermahnte er in derselben die Himmelpfortener Turner zum Festhalten an der heute zum ersten Male in ihrer Mitte wehenden Fahne; darauf nahm noch ein Turner aus Bremervörde das Wort und nach einigen gebrachten „Gut Heil!" begannen die Turnübungen in Riegen.
Man konnte sehen, daß wohl mancher der Zuschauer noch gar keinen Begriff vom Turnen gehabt hatte; es wurde recht schön geturnt und manchem gewandten Turner laut der Beifall gezollt; namentlich waren es Mitglieder des Stader Männerturnvereins, die das meiste Lob ernteten. Nach dem Riegenturnen erfolgte Kürturnen und wurden hierbei auch manche komische Szenen von Athleten der den Stadern bekannten Gesellschaft „Beutelschneider" zur Belustigung des Publikums ausgeführt. Auf ein gegebenes Signal begann der Rückmarsch nach dem Versammlungs- und Balllokale (beim Gastwirt Hanken), und erfügten sich die Turner bis zum Beginn des Balles in ihre Quartiere. Von den hier anwesenden circa 80 Turnern nahmen fast alle an dem um 8 Uhr begonnenen Balle theil; außerdem bemerkten wir auch die Rotabilitäten unseres Orts und viele Gäste aus der Umgegend unter den Tanzenden.
Getanzt wurde in einem Zelte, das bei dem Hause des Gastwirts Hanken aufgestellt war. Während der Pause hatte sich eine kleine Gesellschaft im Saale eingefunden, und hier wurden von einzelnen Stader Turnern einige komische Vorträge ausgeführt. Die ungezwungenste Fröhlichkeit herrschte während des ganzen Festes, und kein Unfall hat die Feier getrübt, was leicht geschehen wäre, wenn Pluvius sich eher als vor Mitternacht durch seine störende Nässe bei uns eingefunden hätte, denn wir mußten schließlich das Zelt räumen und im Saale den Tanz fortsetzen. Erst nach 4 Uhr morgens verstummte die Musik und die alte Ruhe in unserm Orte war wieder hergestellt; doch wird uns dieser Tag in gutem Andenken bleiben. Sämtliche fremde Turner rühmten die gastliche Aufnahme ihrer Quartierwirthe. Wir wollen schließlich hier noch den Wunsch aussprechen, daßbei Wiederkehr eines ähnlichen Festes unser Verein an Turnern und Turnfreunden bedeutend zugenommen haben möge. |